Ausgezeichnet wurde einerseits das öffentlich-rechtliche Entsorgungsunternehmen der Stadt Wiesbaden, andererseits die WBS Training AG.
Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden
Für die Einführung eines Führungsfeedbacks als Instrument zur Selbst- und Fremdeinschätzung
Monika Reinecke und Jennifer Thurn, zuständig für die Personal- und Führungskräfteentwicklung bei den Entsorgungsbetrieben der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW), haben es sich zur Aufgabe gemacht, ein über zehn Jahre altes und bei den Führungskräften wenig geschätztes Instrument zur Selbst- und Fremdeinschätzung zu modernisieren – ein Instrument, das vor allem auf Persönlichkeitsmerkmalen beruhte.
Das neu entstandene Führungskräftefeedback verfolgt diese Ziele:
- Standortbestimmung, um der Führungskraft mögliche Abweichungen zwischen Handlung und Wirkung aufzuzeigen
- Systematische Kompetenzentwicklung der Führungskräfte
- Aufforderung zum Führungsverhalten entlang der Führungsleitlinien der ELW
- Aufbau einer positiven Feedbackkultur: „Es gibt keine Fehler, nur Feedback“
- Etablierung eines wertschätzenden Dialogs zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden
- Konsequente Ausrichtung an den Kompetenzen aus dem ELW-Kompetenzmodell und dem KODE® Kompetenzprofil
Das KODE® Verfahren ermöglicht die Selbst- und Fremdeinschätzung der Führungskräfte. Im ersten Schritt wurden die für Führungskräfte bei der ELW wichtigen Kompetenzen herausgearbeitet und in einen Fragenkatalog übersetzt. Das Führungsfeedback wurde um einen zusätzlichen Selbstreflexionsteil erweitert und erhielt verschiedene Prozessvarianten und Auswertungsmöglichkeiten.
Durch das neue Instrument schauen die Teams erstmals in die Zukunft statt in die Vergangenheit. Der Fokus liegt nicht mehr auf den Schwächen der Führungskraft, sondern auf der Entwicklung ihrer Kompetenzen. Davon profitiert nicht nur die Führungskraft selbst, sondern das gesamte Team: Wo Selbstwahrnehmung und Fremdeinschätzung weit auseinandergehen, wird ein Teamworkshop durchgeführt. Auch in den Jahresgesprächen werden die Ergebnisse aufgenommen und mit passenden Entwicklungsmaßnahmen flankiert.
Begründung der Fachjury
Die Fachjury lobt das Innovationspotenzial: Das Best-Practice-Beispiel lässt die vergangenheitsbezogene Problemsicht hinter sich und setzt auf zukunftsgerichtete Lösungsorientierung. Hervorzuheben seien die positive Resonanz der Führungskräfte und die perspektivische Ausrichtung der Teams; die Teamworkshops beförderten das Miteinander durch Konzentration auf gemeinsame Werte.
„Insgesamt ist durch die Überarbeitung ein völlig neues Instrument entstanden, welches perfekt in das Kompetenzprofil passt – ebenso wie die Anwendung von KODE® für neue Führungskräfte, im Recruiting für schwierige Positionen und für Kolleginnen und Kollegen mit beruflichem Wachstumspotenzial.“
Jennifer Thurn und Monika Reinecke, ELW
WBS Training AG
Für die Führungskräftewerkstatt
Als einer der führenden Anbieter beruflicher Bildung hat die WBS Training AG tiefgreifende Erfahrung in der Vermittlung von Wissen und Qualifikation. „Digitalisierung, Globalisierung und die demografische Entwicklung stellen uns jedoch vor Herausforderungen, die mit Wissen allein nicht zu bewältigen sind“, sagt Claudia Suhr, Fachleitung Kompetenzorientierung und verantwortlich für die strategische Unternehmensentwicklung. Das Unternehmen hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, seine rund 160 Führungskräfte dabei zu unterstützen, mehr Selbstorganisation, Kreativität und eine werteorientierte Haltung zu entwickeln.
„In der Führungskräftewerkstatt sollen Führungskräfte dazu angeregt und dabei begleitet werden, individuelle Kompetenzpotenziale zu finden und zu stärken.“
Claudia Suhr, WBS Training AG
Dafür wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts das Format der Führungskräftewerkstatt entwickelt. Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie vom Europäischen Sozialfonds geförderten Projekts war es herauszufinden, welche Kompetenzen Führungskräfte brauchen, um im digitalen Wandel nicht nur zu bestehen, sondern ihn zu nutzen.
Die Führungskräftewerkstatt wurde bereits mehrfach mit jeweils rund 20 Führungskräften durchgeführt, die neben fachlichen Aufgaben auch Personalverantwortung tragen. Ein Zyklus dauert drei Monate, wobei die Teilnehmenden pro Woche fünf bis acht Stunden investieren. Durchgeführt wird sie als Blended Learning und besteht unter anderem aus:
- drei begleitenden Workshops
- Kompetenzmessung mit KODE®X
- Themenimpulsen und E-Learning-Modulen
- Austauschrunden mit Lernbegleitung und Coaching
- Reflexionsaufgaben und tutorieller Begleitung
- kollegialer Fallberatung
- Erfahrungsberichten von Leuchtturm-Führungskräften
- einem eigens entwickelten Change-Projekt
Bei der Kompetenzanalyse wurden die vorab festgelegten Kompetenzen mit eigenen Handlungsankern aus dem Kompetenzmodell der WBS Gruppe abgefragt. Dafür wurde zunächst ein Soll-Profil definiert und den Teilnehmenden eine Selbst- und Fremdeinschätzung angeboten. Anschließend fand die Auswertung mit entsprechender Beratung statt; dabei wurden passende Kompetenz-Entwicklungs-Programme empfohlen und vereinbart.
Begründung der Fachjury
Die Jury lobt die Gestaltung des berufsbegleitenden Konzepts zur maßgeblich selbstgesteuerten Führungskräfteentwicklung.
„Das didaktische Konzept ermöglicht es, über ausgewählte Themenimpulse die individuelle Entwicklung optimal zu unterstützen – in einer Organisationsform, die im aktuellen Arbeitskontext auch außerhalb festgelegter Termine zu bewältigen ist. Vor allem die Reflexionsaufgaben zur beabsichtigten Wirkung des eigenen Führungsverhaltens sprechen für einen nachhaltigen Praxisbezug.“
Prof. Dr. Lothar Schäffner, Vorsitzender der Jury
Der KODE® Best Practice Award wird einmal jährlich vergeben und ist mit einer Geldprämie dotiert. Die Jury besteht aus Prof. Dr. Lothar Schäffner, Prof. Dr. John Erpenbeck und Dr. Karl Kreuser. Wir gratulieren den Preisträgerinnen herzlich.