Personalgewinnung und Personalbindung sind jetzt und in Zukunft die größten Herausforderungen für Unternehmen. Um auf einem Arbeitnehmermarkt offene Stellen besetzen zu können, muss das Recruiting völlig neu aufgestellt werden. Das ist das Ergebnis des LinkedIn-Reports „Die Zukunft des Recruitings 2023“.
Für den Report wurden von LinkedIn Research 1.611 Personalverantwortliche auf Managementebene in Unternehmen und Personalagenturen befragt. Zusätzlich wurden Milliarden von Datenpunkten der mehr als 900 Millionen LinkedIn-Mitglieder in 200 Ländern ausgewertet. Daraus wurden 17 Prognosen abgeleitet. Wir haben die entscheidenden Punkte zusammengefasst.
Personalverantwortliche stoßen entscheidende Veränderungen an
Die Arbeit im Personalbereich wandelt sich massiv. Statt offene Stellen auszuschreiben und passende Kandidatinnen und Kandidaten auszuwählen, braucht es auf einem Arbeitsmarkt, der nicht mehr genügend Arbeitskräfte bereithält, eine fundierte Strategie. Personalverantwortliche haben deshalb mehr Einfluss denn je: 59 Prozent geben an, dass ihr Team Einfluss auf Entscheidungen der Unternehmensführung hat. 86 Prozent bestätigen, dass ihre Rolle im vergangenen Jahr strategischer geworden ist.
Recruiting braucht neue strategische Kompetenzen
Mit den Anforderungen ändern sich auch die Kompetenzen, die künftig zählen. Die neue strategische Rolle verlangt, sich flexibel an Arbeitsmarkt und Personalmarketing anzupassen und das eigene Handeln stärker an den übergeordneten Unternehmenszielen auszurichten. Statt punktuell zu agieren, muss das große Ganze einbezogen werden.
Befragt nach den wichtigsten Fähigkeiten für Personalverantwortliche in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wurden diese fünf Kompetenzen am häufigsten genannt:
- Kommunikationsfähigkeit (76 %)
- Sozialkompetenz (70 %)
- Empathie (68 %)
- Problemlösungskompetenz (57 %)
- Anpassungsfähigkeit (56 %)
Die Entwicklung strategischer Kompetenzen kommt nicht nur den Unternehmen zugute, sondern auch den Fachkräften selbst: Die LinkedIn-Daten belegen, dass Recruiterinnen und Recruiter in Deutschland mit einer oder mehreren dieser Fähigkeiten 2,1-mal häufiger befördert werden als ihre Kolleginnen und Kollegen.
Recruiting und Personalentwicklung rücken zusammen
Das Silodenken muss weichen, die Grenzen werden durchlässiger. 53 Prozent der Recruiterinnen und Recruiter arbeiten bereits enger mit der Personalentwicklung zusammen; 73 Prozent finden, die Zusammenarbeit sei noch nicht eng genug. Derselbe Anteil sagt, dass die Personalentwicklung für sie an Bedeutung gewinnt. Weltweit geben 43 Prozent der Personalentwicklung an, in diesem Jahr intensiver mit dem Recruiting zusammenzuarbeiten.
Das Recruiting ist dabei auf Unterstützung angewiesen, um:
- Mitarbeitende auf neue Rollen vorzubereiten
- Kompetenzlücken zu identifizieren
- Mitarbeitende weiterzuentwickeln
Mitarbeitende bei Veränderungsprozessen zu begleiten, ist besonders wichtig. Das Recruiting-Team kann unterstützen, indem es die Kompetenzen identifiziert, die gerade am dringendsten gebraucht werden.
Die Generation Z zieht es zu Arbeitgebern, die Weiterentwicklung großschreiben
Die Generation Z legt großen Wert auf berufliche Weiterbildung und ein integratives Arbeitsumfeld. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr beides wichtig ist, liegt 66 Prozent höher als bei der Elterngeneration. Im Einzelnen:
- Möglichkeit zur beruflichen Weiterbildung im Unternehmen: 92 % häufiger priorisiert als von der Generation X (24 % gegenüber 13 %)
- Integratives Arbeitsumfeld für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten: 41 % häufiger priorisiert (14 % gegenüber 10 %)
- Möglichkeiten, neue, sehr gefragte Kompetenzen zu erlangen: 40 % häufiger priorisiert (43 % gegenüber 31 %)
Kompetenzbasiertes Recruiting wird zur Norm
Für die Einstellung gelten künftig andere Kriterien. Statt darauf zu schauen, an welcher Universität welcher Abschluss erworben wurde oder bei welchen Unternehmen jemand gearbeitet hat, rücken die Kompetenzen in den Fokus. Für drei Viertel der Personalverantwortlichen hat es Priorität, neue Mitarbeitende aufgrund ihrer Fähigkeiten einzustellen und nicht aufgrund ihrer Zeugnisse.
Allerdings geben bisher nur 54 Prozent an, dass sie überhaupt in der Lage sind, Kompetenzen einzuschätzen. Wer LinkedIn zur Personalgewinnung nutzt, orientiert sich heute 25 Prozent häufiger an Kompetenzen als noch vor drei Jahren – und 50 Prozent häufiger an Kompetenzen als an der Berufserfahrung.
Talente finden, die sonst übersehen werden
Nur weil jemand nicht den passenden Bildungsabschluss hat, fehlen ihm nicht die notwendigen Fähigkeiten oder das Potenzial. Studien belegen, dass Beschäftigte ohne die geforderten Qualifikationen, dafür aber mit Berufserfahrung, bei Kennzahlen wie der Produktivität fast genauso gut abschneiden.
In den USA wird mittlerweile bei einer von fünf Stellenanzeigen keine vierjährige College-Ausbildung mehr gefordert. Auf LinkedIn wird bereits in 20 Prozent der Stellenanzeigen kein Studium mehr verlangt – der Anteil ist allein in sechs Monaten um 30 Prozent gestiegen.
Kompetenzen und Kompetenzlücken zu erfassen wird wichtiger
Um kompetenzbasiert zu rekrutieren und vorhandene Mitarbeitende weiterzuentwickeln, muss bekannt sein, welche Kompetenzen eine Position erfordert und über welche eine Person verfügt. 94 Prozent der Personalverantwortlichen in der DACH-Region sehen Einblicke in die Kenntnisse der Beschäftigten als Voraussetzung für fundierte Personalentscheidungen; für 80 Prozent hat die Kompetenzerfassung derzeit Priorität.
Voraussetzung ist die eindeutige Dokumentation: welche Kompetenzen eine Rolle verlangt und welche eine Person besitzt. Was Kompetenzen genau sind, lesen Sie in unseren Grundlagen.
Interne Besetzung gewinnt an Bedeutung
Je schwieriger externe Besetzungen werden, desto wichtiger wird der Blick nach innen. 76 Prozent der Personalverantwortlichen im EMEA-Raum sagen, dass interne Personalgewinnung in den kommenden fünf Jahren eine entscheidende Rolle spielen wird.
Um Talente im eigenen Pool zu identifizieren, müssen Kompetenzen messbar sein – etwa mit KODE® Diagnostics. Die interne Besetzung stärkt zugleich die Bindung: In Deutschland bleiben Mitarbeitende von Unternehmen mit hoher interner Mobilität fast doppelt so lange.
Weiterbildung als Voraussetzung für eine diverse Belegschaft
84 Prozent der Personalverantwortlichen im deutschsprachigen Raum gehen davon aus, dass Weiterbildung und Umschulung in den kommenden fünf Jahren eine entscheidende Rolle in der Personalgewinnung spielen. Auch für Diversität und Inklusion sind Weiterbildungsangebote unverzichtbar: In einer Befragung unter 20.000 LinkedIn-Mitgliedern sprachen sich die Teilnehmenden vor allem für mehr Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung aus.
„Früher waren hauptsächlich Qualifikationen ausschlaggebend. Heute legen wir deutlich mehr Wert auf Kompetenzen und Berufserfahrung.“
Alex Fleming, Regional President of Northern Europe bei Adecco
Weiterbildung entscheidet auch bei Bewerbenden
Kandidatinnen und Kandidaten wählen ihren künftigen Arbeitgeber längst nicht mehr nur nach dem Gehalt aus. Sie legen zunehmend Wert darauf, sich im Unternehmen weiterentwickeln zu können. Eine Kultur des Lernens und der internen Mobilität entscheidet über den Erfolg von Personalgewinnung und Personalbindung.
„Unternehmen müssen mehr bieten als ein angenehmes Arbeitsumfeld. Sie müssen ihre Mitarbeitenden auch beim Erwerb neuer Kompetenzen unterstützen.“
Jade Shiyu, Employer Branding Manager bei Alibaba
Den vollständigen LinkedIn-Report für Deutschland, Österreich und die Schweiz finden Sie auf der LinkedIn-Seite zum Future of Recruiting.